top
top
top

Bertas Lied in der Nacht

Nacht umhüllt
Mit wehendem Flügel
Täler und Hügel
Ladend zur Ruh'.

Und dem Schlummer
Dem lieblichen Kinde,
Leise und linde
Flüstert sie zu:

"Weißt du ein Auge,
Wachend im Kummer,
Lieblicher Schlummer,
Drücke mir's zu!"

Fühlst du sein Nahen?
Ahnest du Ruh?
Alles deckt der Schlummer,
Schlumm're du, schlumm're auch du.

Der Halbmond glänzet am Himmel

Der Halbmond glänzet am Himmel,
und es ist neblicht und kalt.
Gegrüßet sei du, Halber, dort oben,
wie du, bin ich einer, der halb.

Halb gut, halb übel geboren,
und dürftig in beider Gestalt,
mein Gutes ohne Würde,
das Böse ohne Gewalt.

Halb schmeckt ich die Freuden des Lebens,
nichts ganz als meine Reu;
die ersten Bissen genossen,
schien alles mir einerlei.

Halb gab ich mich hin den Musen,
und sie erhörte mich halb;
hart auf der Hälfte des Lebens,
entfloh'n sie und ließen mich alt.

Und also sitz ich verdrossen,
doch läßt die Zersplitterung nach;
die leere Hälfte der Seele
verdrängt die noch volle gemach.

In der Fremde

Schon bin ich müd zu reisen,
Wär's doch damit am Rand,
Vor Hören und vor Sehen
Vergeht mir der Verstand.

So willst Du denn nach Hause?
O nein! Nur nicht nach Haus!
Dort stirbt des Lebens Leben
Im Einerlei mir aus.

Wo also willst Du weilen?
Wo findest Du die Statt?
O Mensch, der nur zwei Fremden
Und keine Heimat hat.

Erinnerung

Hab' ich mich nicht losgerissen,
Nicht mein Herz von ihr gewandt,
Weil ich sie verachten müssen,
Weil ich wertlos sie erkannt?

Warum steht in holdem Bangen
Sie denn immer noch vor mir?
Woher dieses Glutverlangen,
Das mich jetzt noch zieht zu ihr?

Tausend alte Bilder kommen,
Ach! und jedes, jedes spricht:
Ist der Pfeil auch weggenommen,
Ist's darum die Wunde nicht.
 

Liebe im Überschwang der Gefühle

Alles liebet, alles scherzet
In der fröhlichen Natur;
Alles küsset, alles herzet
Auf den Höhn, in Wald und Flur!

Lässt der holde Lenz sich nieder,
Sanft umschwärmt vom lauen West,
Senkt der Vogel sein Gefieder,
Bauet liebend sich ein Nest.

Und der Löwe flieht das Morden,
Das sonst höchste Lust ihm schafft;
Er verlässt der Brüder Horden,
Huldigt Amors Zauberkraft.

Und dir soll ich
mich entziehen,
Die uns menschlich
fühlen lehrt ?

Entsagung

Eins ist, was altergraue Zeiten lehren,
Und lehrt die Sonne, die erst heut getagt:
Des Menschen ew'ges Loos, es heißt: Entbehren,
Und kein Besitz, als den du dir versagt.

Die Speise, so erquicklich deinem Munde,
Beim frohen Fest genippter Götterwein,
Des Teuren Kuß auf deinem heißen Munde,
Dein wär's? Sieh zu! ob du vielmehr nicht sein.
Denn der Natur alther nothwend'ge Mächte,

Sie hassen, was sich freie Bahnen zieht,
Als vorenthalten ihrem ew'gen Rechte,
Und reißen's lauernd in ihr Machtgebiet.
All was du hältst, davon bist du gehalten,
Und wo du herrschest, bist du auch der Knecht.

Es sieht Genuß sich vom Bedarf gespalten,
Und eine Pflicht knüpft sich an jedes Recht.
Nur was du abweist, kann dir wieder kommen,
Was du verschmähst, naht ewig schmeichelnd sich,
Und in dem Abschied, vom Besitz genommen,

Erhältst du dir das einzig deine: Dich!

Was je den Menschen schwergefallen

Was je den Menschen schwer gefallen,
Eins ist das Bitterste von Allen:
Vermissen, was schon unser war,
Den Kranz verlieren aus dem Haar;
Nachdem man sterben sich gesehen,
Mit seiner eignen Leiche gehen.

 

Sehnsucht nach Liebe

Alles liebet, alles scherzet
In der fröhlichen Natur;
Alles küsset, alles herzet
Auf den Höhn in Wald und Flur!

Läßt der holde Lenz sich nieder,
Sanft umschwärmt vom lauen West,
Senkt der Vogel sein Gefieder,
Bauet liebend sich ein Nest.

Und der Löwe flieht das Morden,
Das sonst höchste Lust ihm schafft;
Er verläßt der Brüder Horden,
Huldigt Amors Zauberkraft.

Und dir soll ich mich entziehen,
Die uns menschlich fühlen lehrt?
Liebe! ach, dich soll ich fliehen,
Die der Tiger selbst verehrt?

Ich allein nur soll dich meiden,
Holde Spenderin der Lust?
Ich soll wilde Tiere neiden
Um das Fühlen ihrer Brust?

Nein! dem schönsten aller Triebe
Sei mein fühlend Herz geweiht!
Schenke mir Themirens Liebe,
Amor, Gott der Zärtlichkeit!
 

Rangstreit

Ich arme, kleine Rose,
Ich steh an ihrem Fenster
Und soll ihr Fenster schmücken -
Doch ach, die Augen aller
Sehn nur nach meiner Herrin,

Und keines sieht nach mir hin!
Bin ich denn nicht die Rose,
Die Königin der Blumen,
Warum denn schaut ihr mich nicht,
Und schaut nur nach der Herrin?

Strahl ich nicht rötlich schimmernd,
Von Purpur übergossen? -
Zwar ihre zarten Wangen
Färbt Morgenrot, wie meine,
Und gern, wie gerne! tauscht ich!

Seht meine schlanken Stengel -
Zwar schlank ist sie wohl selber,
Und wer sie darf umfassen,
Gern mißt er meine Dornen.

Doch was gleicht meinen Knospen
Im Westwind lieblich spielend?
Und doch - als sie am Fenster
Sich, niederschauend, beugte,
Gewahrt ich Zwillingsknöspchen,
Gleich meinen rund und härtlich,
Gleich meinen halbgeschlossen,
Gleich meinen rötlich strahlend,
Gleich meinen leise wogend
Und strebend nach Enthüllung.

Doch seht im Blätterdunkel
Den vollen Kelch der Rose,
Mit kleinem Laub umsäumet,
Vom Rande, voll und schwellend,
Nach innen sanft sich wölbend,
In holder Scham errötend,
Ein Labyrinth von Blättern,
Die selber sich beschattend,
Gleich einer Grotte Dunkel,
Sich tief und immer tiefer
In Dämmernacht verlieren. -

Wann saht ihr an der Herrin
Wohl einen Reiz, gleich diesem?
Darin mag sie mir gleichen,
Dann will ich erst ihr weichen,
Dann reich ich ihr die Krone,
Und nenne sie die Rose,
Ich sie, die Rose selber.
 

Der Bann

Leb wohl Geliebte, ich muß scheiden,
Es treibt mich fort in Angst und Qual,
Fort von der Wohnstatt meiner Freuden,
Fort von dem Weibe meiner Wahl.

Nicht dieser Blick und diese Zähren!
Verbirg dein holdes Angesicht!
Du kannst das Scheiden mir erschweren,
Doch mir ersparen kannst du's nicht.

Denn wisse, wenn du mich umschlungen,
Umschlangst du keinen freien Mann,
Der Abgott deiner Huldigungen
Er ist belegt mit Acht und Bann.

Der Fürstin, der die Welt zu eigen,
Der alles huldigt was da lebt,
Vor der sich alle Wesen beugen,
Hab ich im Wahnsinn widerstrebt;

Mit ihrer Schwester, sinnverwirret,
Die ohne Heimat, ohne Haus,
Durch Erd und Luft und Wellen irret,
Zog ich in wilder Jagd hinaus.

Im Mondenglanz, auf flücht'gem Fuße,
Schlang ich mit ihr den Geisterreihn,
Und alles Wirklichen Genusse
Entsagt ich um den holden Schein.

Da sprach die Fürstin zornentglommen,
"Verschmähst du so was ich dir bot,
So sei's auf immer dir genommen,
Du vogelfrei bis an den Tod.

Von Wunsch zu Wunsch in ew'ger Kette
Und rastlos wie du bist, so bleib,
Dir sei kein Haus und keine Stätte,
Kein Freund, kein Bruder und kein Weib;

Ein Büttel aber beigegeben,
Mit dir, in dir, laß er dich nie,
Der peitsche rastlos dich durchs Leben,
Der wilde Dämon Phantasie.

Er heiße dich nach allem fassen
Was irdisch schön mit raschem Geiz,
Doch hältst du's müssest du es hassen
Und Mängel sieh in jedem Reiz;

Verdammet Schatten nachzujagen,
Buhl doch um Augenblickes Kuß,
Es fehle Kraft dir zum Entsagen
Und Selbstbegrenzung zum Genuß.

Die Sprache will ich dir verwandeln,
Dein Hörer sei der Mißverstand,
Mißlingen sei mit deinem Handeln
Entzweit auf immer Kopf und Hand;

Die dich liebt flieh! die du begehret,
Sie schaudere zurück vor dir!
Und sagt sie: ja, hat sie gewähret,
So töt ihr Ja dir die Begier.

Und daß der letzte Trost versaget,
Verewigt Rache sei und Leid,
So zweifle der, dem du's geklaget,
An deines Leiden Wirklichkeit.

Zieh hin um all dein Glück betrogen,
Und buhl um meiner Schwester Gunst,
Sieh, was das Leben dir entzogen,
Ob dir's ersetzen kann die Kunst."

Da fiel's mich an mit Nachtgewalten
Und Wahrheit war es was sie sprach,
Das Herz im Busen mir gespalten
Und jener innre Dränger wach.

Seitdem irr ich verbannt, alleine,
Betrüge andre so wie mich:
Du aber, armes Weib, beweine
Den du verloren ewiglich.
 

Wenn der Vogel singen will

Wenn der Vogel singen will,
Sucht er einen Ast,
Nur die Lerche trägt beim Sang
Eigne, leichte Last.

Doch der Fink, die Nachtigall,
Selbst der muntre Spatz
Wählen, eh' die Kehle tönt,
Für den Fuß den Platz.

Gebt mir, wo ich stehen soll,
Weist mir das Gebiet,
Und ich will euch wohl erfreun
Noch mit manchem Lied.

Denn in Deutschland weht der Sturm -
Sturm, man weiß, ist Wind - ,
Wähnen, wenn der Ast sie schnellt,
Daß sie flügge sind.

Und hier Landes dunkelt's tief,
Nacht wie Pech und Harz,
In den Zweigen nächst dem Stamm
Nisten Dohlen schwarz.

Kauz und Eule dämisch dumm
Schaun zum Astloch raus,
Nur der Starmatz schwatzt vom Platz,
Kanzelt für das Haus.

Tiefer unten aber steigt's
Auf vom Boden dumpf,
Und die Frösche quaken laut
Aus verjährtem Sumpf.

Und so schweb ich ew'gen Flugs
zwischen Erd' und Luft,
Und kein Platz dem müden Fuß,
Als dereinst die Gruft.


 

Italien

Schöner und schöner schmückt sich der Plan,
Schmeichelnde Lüfte wehen mich an!
Fort aus der Prosa Lasten und Müh'
Zieh' ich zum Lande der Poesie.

Gold'ner die Sonne, blauer die Luft,
Grüner die Grüne, würz'ger der Duft!
Dort an dem Maishalm, schwellend von Saft,
Sträubt sich der Aloe störrische Kraft;

Ölbaum, Cypresse, blond du, du braun,
Nickt ihr wie zierliche, grüßende Frau'n?
Was glänzt im Laube, funkelnd wie Gold?
Ha! Pomeranze, birgst du dich hold?

Trotz'ger Poseidon, warest du dies,
Der unten scherzt und murmelt so süß?
Und dies, halb Wiese, halb Äther zu schau'n,
Es war des Meeres furchtbares Grau'n?

Hier will ich wohnen, Göttliche du:
Bringst du, Parthenope, Wogen zur Ruh'?
Nun dann versuch' es, Eden der Lust,
Eb'ne die Wogen auch dieser Brust!

Grüner und grüner Matten und Feld,
Froher das Leben, schöner die Welt!
Fort aus der Sorge düsterem Tal,
Hin in des Frühlings sonnigen Saal!

Bunter die Blumen, süßer der Duft,
Heit'rer der Himmel, frischer die Luft!
Sieh', wie die Gemse hüpft und das Reh,
Schau', wie der Bach hinrauscht in den See!

Zu der Lawine dumpfem Getön
Hallen Schalmeien lieblich und schön.
Hüllet der Nebel die Täler hier ein,
Oben ist Freud', ist wonniger Schein.

Drüben und droben wär' ich so gern!
Täler und Berge, wie seid ihr so fern!
Ach, und wie fern ist Frieden und Ruh',
Ach, und wie ferne, Liebe, bist du!

Träumend nur seh' ich Rosen noch blüh'n,
Träumend der Alpen Zinken nur glüh'n.
Täler und Berge, wie seid ihr so fern!
Drüben und droben wär' ich so gern!

 

Allgegenwart

Wo ich bin, fern und nah,
Stehen zwei Augen da,
Dunkelhell,
Blitzesschnell,
Schimmernd wie Felsenquell
Schattenumkränzt.

Wer in die Sonne sieht
Weiß es, wie mir geschieht;
Schließt er das Auge sein,
Schwarz und klein
Sieht er zwei Pünktelein
Übrall vor sich.

So auch mir immerdar
Zeigt sich dies Augenpaar,
Wachend in Busch und Feld,
Nachts wenn mich Schlaf befällt,
Nichts in der ganzen Welt
Hüllt mir es ein.

Gerne beschrieb' ich sie,
Doch ihr verstündet's nie:
Tag und Nacht,
Ernst, der lacht,
Wassers und Feuers Macht
Sind hier in eins gebracht,
Lächeln mich an.

Abends, wenn's dämmert noch,
Steig ich vier Treppen hoch,
Poch ans Tor,
Streckt sich ein Hälslein vor,
Wangen rund,
Purpurmund,
Nächtig Haar,
Stirne klar,
Drunter mein Augenpaar!

Kuss

Auf die Hände küßt die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirn,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Sel'ge Liebe auf den Mund;
Aufs geschloßne Aug' die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
Übrall sonst die Raserei.

 

Cherubin

Wer bist du, die in meines Herzens Tiefen,
Die nie der Liebe Sonnenblick durchstrahlt,
Mit unbekannter Zaubermacht gegriffen?
Wer bist du, süße, reizende Gestalt?
Gefühle, die im Grund der Seele schliefen,
Hast du geweckt mit magischer Gewalt,
Gefesselt ist mein ganzes, tiefstes Wesen,
Und Kraft und Wille fehlt, das Band zu lösen!

Seh ich der Glieder zarte Fülle prangen,
Entstellt durchs schöngeschmückte Knabenkleid,
Das süße Rot der schamgefärbten Wangen,
Die blöde, knabenhafte Schüchternheit,
Das dunkle, erst erwachende Verlangen,
Das brennend wünscht und zu begehren scheut,
Den Flammenblick, scheu in den Grund gegraben:
So scheinst du mir der reizendste der Knaben!

Doch seh ich dieses Busens Wallen wieder,
Verräterisch durchs neid'sche Kleid gebläht,
Des Nackens Silber, gleich des Schwans Gefieder,
Vom reichen, seidnen Lockenhaar umweht,
Hör ich den hellen Klang der Zauberlieder,
Und was ein jeder Sinn noch leis' erspäht,
Horch ich des Herzens ahnungsvollen Tönen:
So nenn ich dich die Krone aller Schönen.

Schlicht diesen Streit von kämpfenden Gefühlen,
Bezähme dieses siedend heiße Blut,
Laß meinen Blick in diesen Reizen wühlen,
Laß mich der Lippen fieberische Glut
In dieses Busens regen Wellen kühlen;
Und meiner Küsse räuberische Flut
Soll das Geheimnis dir im Sturm entreißen,
Welch ein Geschlecht du würdigst, sein zu heißen.

Notturno

Zögernd leise
In des Dunkels nächt'ger Stille
Sind wir hier;
Und den Finger sanft gekrümmt,
Leise, leise,
Pochen wir
An des Liebchens Kammerthür.

Doch nun steigend,
Schwellend, schwellend,
Mit vereinter Stimme, Laut
Rufen aus wir hochvertraut;
Schlaf du nicht,
Wenn der Neigung Stimme spricht!

Sucht' ein Weiser nah und ferne
Menschen einst mit der Laterne;
Wieviel seltner dann als Gold
Menschen, uns geneigt und hold?
Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht
Freundin, Liebchen, schlaf du nicht!

Aber was in allen Reichen
Wär' dem Schlummer zu vergleichen?
Drum statt Worten und statt Gaben
Sollst du nun auch Ruhe haben.
Noch ein Grüßchen, noch ein Wort,
Es verstummt dir frohe Weise,
Leise, leise,
Schleichen wir uns, ja, schleichen wir uns wieder fort!
 

Liebe und Wollust
–An Molly-

Schwestern sind sie, doch sie meiden
ewig sich ohn Unterlaß;
wählst du eine von den beiden,
mußt du von der andern scheiden,

schwörest du der andern Haß!
Schwestern sind sie, ähnlich scheinen
sie beim ersten Blicke, doch
wer sie suchet zu vereinen

wird den Irrtum bald beweinen,
denn er nimmt der Wollust Joch.
Unter mancherlei Gestalten
schleichet sich die List'ge ein,

läßt du einmal sie obwalten
weiß sie schlau dich festzuhalten,
mußt du stets ihr Sklave sein!
Ihren schimmernden Altären

nahet sich die halbe Welt;
ihre süße Macht verehren
die selbst unter Schmerzenszähren,
die ihr Stachel teuflisch quält.

Schön ist ihre Außenseite,
lieblich lacht ihr Rosenmund,
aber lockend lacht sie heute,
und stößt morgen ihre Beute

wild in der Verzweiflung Schlund;
in der hocherhabnen Linken
hält sie schmeichelnd den Pokal,
aber folgst du ihren Winken,

willst den süßen Nektar trinken,
mordet dich ihr scharfer Stahl.
Ruhig, mit bescheidnen Mienen
naht die zweite, sanft und mild;

und wohl denen die ihr dienen
rein und makellos; wohl ihnen
all ihr Sehnen wird erfüllt.
Zwar lockt nicht mit frechen

Blicken sie dich an die keusche Brust,
doch wen ihre Gaben schmücken
füllt das reine Herz Entzücken,
Seligkeit und Himmelslust!

Wohl dem edlen Erdensohne,
der ihr ew'ge Treue schwor,
denn der reinen Liebe Krone
reicht sie ihm zum schönen Lohne,

hebt zu Göttern ihn empor!
Ich auch habe sie gefunden,
mich auch schmückt ihr Rosenband,
meine Stirn hat sie umwunden

in der seligsten der Stunden,
als ich meine Molly fand!
Mich reizt nicht das Glück der Toren,
nicht der Wollust Vollgenuß,

Liebe, dich hab ich erkoren
als ich Molly Treu geschworen,
bei der Holden ersten Kuß!
Weg da mit dem eiteln Ruhme

feiler Wollust Knecht zu sein!
in der Liebe Heiligtume
blüht mir eine schönre Blume,
Molly, Molly du bist mein!

 

back